Kino Aktuell Das Album meiner Mutter

Kinder, Krieg und Kameras

Von Helen Lagger. Aktualisiert am 31.08.2011

Der Berner Regisseur Christian Iseli untersucht in seinem Dokumentarfilm «Das Album meiner Mutter» die Geschichte seiner eigenen Familie. Seine mittlerweile verstorbene Mutter Marie Iseli-Stettler erinnert sich dabei an längst Vergangenes.

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Das Album meiner Mutter

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Fotografien dokumentieren die Vergänglichkeit: «Das Kinderfoto meiner Mutter vor Augen, sage ich mir: ‹Sie wird sterben.›» Mit diesem Zitat des französischen Philosophen Roland Barthes (1915–1980) beginnt Christian Iselis Film «Das Album meiner Mutter». Thematisiert wird die Familie des Berner Regisseurs. Gemeinsam mit der über 90-jährigen, mittlerweile verstorbenen Mutter hat sich Iseli Familienfotos angeschaut.

Ein Stück Geschichte

Dabei lässt der studierte Historiker, der heute als freischaffender Filmemacher arbeitet, auch ein Stück Schweizer Geschichte lebendig werden. Die Biografien seiner Eltern – des 1917 geborenen Bauernsohns Fritz Iseli und der 1914 geborenen Marie Iseli-Stettler – sind repräsentativ für viele dieser Generation: Die Männer leisteten Aktivdienst im Krieg, die Frauen kriegten Kinder und kümmerten sich ums Haus. General Guisans Konterfei hing im Wohnzimmer, Sexualität war noch ein grosses Tabu, und die verschiedenen Medien – auch die Fotografie – wurden viel sparsamer eingesetzt als heutzutage. Iseli geht auch diesem Phänomen nach und stellt fest, dass seine Mutter bis zu ihrem fünfzehnten Lebensjahr nur siebenmal fotografiert worden war, während von ihm und seinen Geschwistern in den Sechziger- und Siebzigerjahren jede Menge Aufnahmen gemacht wurden.

Bis zum Ende

Oft kommt die Mutter zu Wort. Sie hat Schalk, kann sich für ihr Alter gut artikulieren und erinnern. Durch die gemeinsame Arbeit mit ihr erfuhr Iseli erstmals, dass seine Mutter, als sie mit dem ältesten Kind schwanger war, niemandem davon erzählt hatte. Selbst Iselis Vater erfuhr erst von seinem Glück, als das Kind schon eine Woche alt war. Zum Glück willigte der aus dem Wehrdienst Zurückgekehrte sofort in die Heirat ein. Er habe von dem Kind geträumt, erinnert sich die alte Frau, und schliesslich sei alles gut gekommen.

Iseli fängt auch traurige Momente ein, spart die letzte, von Schmerz und Einsamkeit geprägte Lebensphase seiner Mutter nicht aus, und erzählt uns die Geschichte bis zum Ende. «Das Album meiner Mutter» ist ein unspektakulärer, sehr schweizerischer und doch universeller Film, der das Thema der Erinnerung in all seinen Facetten auszuloten vermag.

Das Album meiner Mutter

Regie:Christian Iseli
Produktion: 2011
Genre:
Erstaufführung:01.09.2011

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