Mit der Liebe zur Sache
Von Georg Modestin. Aktualisiert am 26.01.2012
Location
| Name: | BeJazz Club / Vidmarhallen |
| Adresse: | Könizstrasse 161 3000 Bern |
| Telefon: | +41 445 866 266 |
Infos
Datum und Uhrzeit
Freitag, 24.02.2012 20.30
Website
Beschreibung
Big Band Jazz – Uptown goes downtown N° 130. Uptown Big Band.
Konzert
Be-Jazz Club, Fr, 27. Jan., 20.30 Uhr, mit Gast John Aram. www.uptownbigband.ch
Die grosse Zeit der Big Bands ist unwiederbringlich vorbei. Umso bemerkenswerter ist es, wenn in einem vergleichsweise beschränkten Einzugsgebiet, wie es Bern darstellt, gleich zwei jazzmusikalische Grossformationen nebeneinander existieren, und das seit Jahren - was sicherlich mit der befruchtenden Präsenz der Swiss Jazz School in der Aarestadt zusammenhängt. Die eine Big Band ist das 2003 aus der Wiege gehobene Swiss Jazz Orchestra, das sein Domizil im Bierhübeli hat. Neben dieser erklärtermassen internationale Ansprüche erhebenden Formation, deren Line-up sich wie ein «Who’s who» der jüngeren Jazzszene liest, überlebt im selben geografischen Raum die Uptown Big Band, die mit ihrem Gründungsjahr 1992 rund ein Jahrzehnt älter ist und heuer den zwanzigsten Geburtstag feiern kann.
Zukunftsweisendes Modell
Die Langlebigkeit der beiden Berner Gruppen lässt sich nicht ohne eine Rückschau auf das Thad Jones/Mel Lewis Orchestra erklären, das 1966 eine Formel fand, die es einer Big Band erlaubte, über eine längere Zeit hinweg ihre Existenz zu sichern: Anstatt ständig auf Achse zu sein, wie es die grossen Swingorchester vorgelebt hatten, war das Thad Jones/Mel Lewis Orchestra sesshaft und präsentierte sich jeweils montags im New Yorker Club Village Vanguard. Dieses Arrangement erlaubte es den Mitgliedern, anderen Verpflichtungen nachzugehen. Letztere dienten wiederum als Input, was sicherlich mit ein Grund für die Labor-Atmosphäre war, für die das Orchester berühmt wurde. Die für die Entwicklung neuer Ideen benötigte Kontinuität wurde durch die wöchentlichen Club-Termine garantiert.
Dem Vorbild des Thad Jones/Mel Lewis Orchestra leben beide Berner Grossformationen nach. Die Uptown Big Band tut dies in enger Zusammenarbeit mit dem Veranstalter Be-Jazz, unter dessen Fittichen gegenwärtig die siebzehnte «Uptown goes downtown»-Saison läuft. In dieser Zeit hat die Band alle Ortswechsel von Be-Jazz mitgemacht: Die jeweils von Oktober bis Juni terminierten monatlichen Auftritte fanden zuerst in der Dampfzentrale und danach in der Mahogany Hall statt. Nach dem Umzug von Be-Jazz in die Vidmarhallen hat auch die Uptown Big Band dort eine neue Basis errichtet.
Regionale Verwurzelung
Der Name der Formation spielt auf Uptown, New York, an, wo auch Harlem liegt, das Biotop, in dem der Swing gross wurde. Zur «bernischen» Assoziation mit dem Gurten kam es erst nach der Bandgründung. Nichtsdestoweniger ist die regionale Verwurzelung des Orchesters stark: Die Uptown Big Band ist deutlicher auf Bern ausgerichtet als etwa das Swiss Jazz Orchestra. Das hat zum einen damit zu tun, dass sich die Uptown-Mitglieder hauptsächlich aus der Region rekrutieren, zum anderen mit dem Charakter der Gruppe als ausgesprochene Liveband, die ihre Kraft aus dem Kontakt mit dem Heimpublikum bezieht. Die «Uptowner» haben bislang erst eine CD veröffentlicht, die anlässlich der zehnten «Uptown goes downtown»-Saison 2004-2005 entstand und die unter dem Titel «SnapShots» Livemitschnitte aus der Mahogany Hall festhält.
Was die Besetzung betrifft, so besteht die Formation einerseits aus Profis, die laut Bandleader Mike Maurer «Kompetenz, Erfahrung und auch Charisma einbringen», dafür aber nicht immer abkömmlich sind, andererseits aus «zuverlässigen Amateuren, die dank seriöser Vorbereitung ihren Part einwandfrei erfüllen und für Kontinuität sorgen». Dazu gesellen sich junge Jazzer, oft Studierende der Jazzschule, die «frische Energie und neue Ideen mitbringen und dabei Big-Band-Erfahrungen sammeln können». Die Kehrseite dieses heterogenen Zusammenzuges ist die Energien raubende Fluktuation in der Stammbesetzung.
Historisch und doch aktuell
Die «hundert Prozent selbst bestimmte» Band, die von den Musikern in Eigenregie geführt und verwaltet wird, spielt nach Möglichkeit Originalarrangements, wobei, um Maurer zu zitieren, die «künstlerische Herausforderung darin besteht, die klassischen Werke der Big-Band-Literatur mit derselben Relevanz und Aktualität zu versehen wie zeitgenössische Arrangements». Das Repertoire, das sich das Orchester erarbeitet hat, enthält nebst einem Stock an Eigenkompositionen mehrere abendfüllende Programme, die historischen Grössen wie Duke Ellington, Count Basie oder dem Thad Jones/Mel Lewis Orchestra die Reverenz erweisen. Daneben gibt es auch Hommagen an Frank Sinatra und . . . Marilyn Monroe.
Zuletzt sei auf die Gäste hingewiesen, mit denen die Band regelmässig auftritt: in der laufenden Saison sind dies der Posaunist John Aram, der Trompeter Lars Lindvall, die Sängerin Sandy Patton, aber auch die Jazzlehrer der Musikschule Köniz, womit wir wieder bei der regionalen Verankerung des Orchesters sind.

