Kino Aktuell Taxiphone: El Mektoub

Die Wüste klebt

Von Pascal Blum. Aktualisiert am 05.01.2011

Mit Sinn für Atmosphäre schildert dieses Schweizer Filmdrama, wie eine Frau in der Fremde ihre Identität sucht.

In der Wüste auf Identitätssuche: Pasquale Aleardi und Mona Petri in «Taxiphone» von Mohammed Soudani. (zvg)

In der Wüste auf Identitätssuche: Pasquale Aleardi und Mona Petri in «Taxiphone» von Mohammed Soudani. (zvg)

Taxiphone: El Mektoub

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Der Mann mag es nicht, wenn die Frau auf eigene Faust herumläuft. Lars von Trier trieb den Konflikt mit «Breaking the Waves» ins Religiöse. Das Drama des algerischstämmigen Schweizers Mohammed Soudani bleibt auf dem Boden: Während Oliver (Pasquale Aleardi) in der algerischen Oase am kaputten Lastwagen herumflickt, entdeckt seine Freundin Elena (Mona Petri) Land und Leute.

Wie viele Männer verfolgt Oliver einen Plan, der hinten und vorne nicht funktioniert. Vor allem vorne: In der Wüste säuft der Motor seines Lasters ab, den er aus geschäftlichen Gründen abliefern will. Ersatzteile gibts im nächstgelegenen Ort Tar. Vielleicht. Der unverhoffte Zwischenhalt jedenfalls stoppt die Reise des Schweizer Paars: Wie Oliver und Elena sich im Wüstenort einquartieren, schweift die Kamera beiläufig von den Helden ab, um Nebenfiguren zu studieren.

Eine Hellseherin etwa rät Elena, nicht zu weit in die Wüste zu trampen; eine junge Algerierin versucht im Callshop – dem «Taxiphone» – ihren Mann zu erreichen. Dort, wo sich die Einheimischen treffen und austauschen, wird Elena aufgenommen und nähert sich auch dem mysteriösen Taxiphone-Boss an. Derweil lernt Oliver einen kauzigen Autoteilhändler (Jean-Luc Bideau) kennen, doch als er weiter will, hat Elena Wurzeln geschlagen. Die Wüste klebt.

Mit Gespür für Stimmung und Kultur schildert das stationäre Roadmovie eine Identitätssuche ohne viel Introspektionsgeschwätz. Die Probleme bleiben irdisch: Mann sucht Zylinderkopf, Frau sich selbst. Dadurch, dass die Kamera auch anderes als die Protagonisten zeigt, setzt sich der Film unaufdringlich für kulturelle Verständigung ein. Er ist frauenzentriert, um nicht zu sagen weiblich: «C’est beau d’être femme», erklärt Elena. Mona Petri spielt sie mit Geist und Sinnlichkeit.

Wie bei Terrence Malick sprechen die Figuren nebenher zu sich selbst. Das ist elegant. Überflüssig ist dagegen der Schluss: Da macht der Film sich selbst den Garaus, indem er nichts mehr offenlässt.

Taxiphone: El Mektoub

Regie:Mohammed Soudani
Produktion:Algeria, Switzerland 2010; 94 min.
Genre:Drama
Erstaufführung:06.01.2011
Darsteller:Sid Ahmed Agoumi, Pasquale Aleardi, Jean-Luc Bideau, Bruno Ganz, Stefan Kollmuss

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