Wenn der Proll mit der Galeristin...
Von Georges Wyrsch. Aktualisiert am 08.02.2012
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Trailer
Zwei Schüler in Paris gehen gemeinsam durch dick und dünn – da wird es Zeit, dass sich auch mal deren Eltern die Hand reichen. Doch die Begegnung entpuppt sich als heikel, denn der eine Sohn stammt aus bürgerlichem Haus, der andere aus der Unterschicht. Unter diesen Vorzeichen lernen sich die resolute Mutter des einen und der vorbestrafte Vater des anderen kennen: Sie (Isabelle Huppert) verbringt ihre Zeit mit dem Ausstellen von zeitgenössischer Kunst, er (Benoît Poelvoorde) mit einfachen Handwerkerjobs und dem Trinken von Billigbier. Sie ist gefangen in einer sexuell eingerosteten Ehe, er tobt sich gerne mit Gelegenheitsfreundinnen aus.
Lustiger Nervenkrieg
Wie so oft im Bereich der romantischen Komödie ziehen sich diese Gegensätze an, wenn auch in diesem Fall äusserst zögerlich. Die Regisseurin und Drehbuchautorin Anne Fontaine verbringt viel Zeit damit, die theoretische Unvereinbarkeit der beiden Lebensformen zu demonstrieren – notabene, indem sie die entsprechenden Stereotypen komödiantisch verstärkt und ihre beiden Protagonisten einen bösen, manchmal lustigen Nervenkrieg durchmachen lässt. Erst nach und nach werden die Figuren vielschichtiger, und langsam zeichnen sich die Motive der beiden ab: Die frustrierte Dame aus gutem Haus verspürt Lust auf krude Männlichkeit, und der Proll seinerseits wittert die Chance auf einen Aufriss ausserhalb seines herkömmlichen Beuteschemas.
Dumm gelaufen
Dass daraus schlussendlich so etwas wie Liebe werden soll, möchte man gerne glauben, zumal Huppert als schnippische Kunstkennerin und Poelvoorde als einfach gestrickter Nichtsnutz überraschend gut harmonieren. Aber das Drehbuch hat sich zu diesem Zeitpunkt bereits zu stark in Sitcomgags verrannt und den beiden Figuren zu viele klischeehafte Ticks angedichtet, als dass man ihnen noch eine ernsthafte Beziehung abnehmen möchte.
Auf ungelenke Weise scheint uns Anne Fontaine in den letzten Szenen von «Mon pire cauchemar» sagen zu wollen, dass ein Dialog zwischen den sozialen Klassen trotz Hindernissen möglich ist. Blöd nur, dass der gesamte Humor des vorangegangenen Films auf der gegenteiligen These basierte.
Mon pire cauchemar
| Regie: | Anne Fontaine |
| Produktion: | Belgium, France 2011; 103 min. |
| Genre: | Comedy, Romance |
| Erstaufführung: | 09.02.2012 |
| Darsteller: | Isabelle Huppert, Benoît Poelvoorde, André Dussollier, Virginie Efira, Corentin Devroey |


