Kino Aktuell Mirror Mirror

Schneewittchen, neu fabuliert

Aktualisiert am 04.04.2012

Für viele ist Julia Roberts «die Schönste im ganzen Land». In der zauberhaften Märchenkomödie «Mirror, Mirror» spielt sie allerdings nicht Schneewittchen, sondern die herrlich boshafte, bankrotte Königin, die sich den Prinzen angeln will.

Lily Collins als Schneewittchen.

Lily Collins als Schneewittchen.
Bild: zvg

Mirror Mirror

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Der indischstämmige Regisseur Tarsem Singh stellt das Märchen von Schneewittchen auf den Kopf. Zwar ist in «Mirror, Mirror» mit der Königin (Julia Roberts), Schneewittchen (Lily Collins), den sieben Zwergen und dem Märchenprinzen (Armie Hammer) das traditionelle Personal vertreten. Die Zwerge jedoch sind Strauchdiebe, die auf Stelzen Reisende ausrauben. Wie zum Beispiel den dämlichen Prinzen, der ihnen ganz zufällig in die Arme läuft.

Neu ist auch, dass das Prinzesschen im Zwergentrainingslager zum weiblichen Robin Hood ausgebildet wird, um gegen die Ausbeutung des Volkes durch die stiefmütterliche Luxusschlampe zu kämpfen. Doch die Hauptattraktion dieses Märchen-Updates ist die Ausstattung, bei der Singhs langjährige und vor kurzem verstorbene Kostümbildnerin Eiko Ishioka (Kostümoscar 1992 für «Bram Stoker’s Dracula») ein letztes Mal ihr Können entfaltet.

Königlicher Kinospass

Der Regisseur, der seine wenigen Filme («The Cell», «The Fall», «Immortals») zwischen Werbefilmaufträge geschoben hat, ist fast noch ein Geheimtipp. Mit «Mirror, Mirror» präsentiert er einen süchtig machenden Bilderrausch mit surrealen Kostümen und malerischen Winterlandschaften. Der extravagante Stilmix erinnert mal an das vorrevolutionäre Ancien Régime in Versailles, mal an Filme wie «Zorro» oder, mit der verwegenen Kluft der Zwerge, an «Time Bandits». Auch Bollywood erweist Singh seine Referenz.

Hauptdarstellerin Lily Collins, die Tochter von Popstar Phil Collins, ist eine anmutige Schnittmenge aus Audrey Hepburn, Liz Taylor und dem gezeichneten Disney-Schneewittchen. Obwohl die Ausstattung an cineastische Exzentriker wie Tim Burton und Terry Gilliam erinnert, hält die Märchenromanze die Balance zwischen familiengerechtem Entertainment und subversiver Jugendwahnsatire. Auch Erwachsene, die in den sauren Apfel beissen und ihren Nachwuchs ins Kino begleiten, werden sich königlich amüsieren.

Mirror Mirror

Regie:Tarsem Singh
Produktion:USA 2012; 106 min.
Genre:Adventure, Comedy, Drama, Fantasy
Erstaufführung:05.04.2012
Darsteller:Julia Roberts, Lily Collins, Armie Hammer, Nathan Lane, Jordan Prentice
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