Ikone des friedlichen Widerstandes
Aktualisiert am 11.04.2012
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Trailer
Dieser Film war überfällig. Längst ist Aung San Suu Kyi eine lebende Legende. Die unermüdliche Kämpferin für Demokratie, die kürzlich bei Nachwahlen in ihrem Heimatland Burma einen überwältigenden Sieg errungen hat, ist die Tochter eines Nationalhelden, Friedensnobelpreisträgerin und Galionsfigur des friedlichen Widerstandes gegen das Militärregime in Burma, wie Burma offiziell heisst. Viele sehen sie in einer Reihe mit Gandhi, Martin Luther King und Nelson Mandela. Es war also höchste Zeit, ihre Geschichte auf die grosse Leinwand zu bringen, gerade, weil sie noch nicht zu Ende erzählt ist. Erst die Wahlen 2015 werden zeigen, ob der demokratische Wandel in Burma tatsächlich gelingen wird. Politisch ist «The Lady» also wichtig. Als Kinofilm allerdings taugt er nicht viel.
Der Mut, dieses Biopic mit Luc Besson einem Regisseur in die Hände zu geben, der vor allem mit Fantasiekino und Actionfilmen von sich reden machte, hat sich nicht ausgezahlt. Besson macht mit Aung San Suu Kyi das, was er mit seinen weiblichen Hauptfiguren ständig tut: Er überhöht sie zu einem mystischen Wesen. Was aber zu kunterbunten Streifen wie «Nikita», «Das fünfte Element» oder «Angel-A» wunderbar passt und auch bei «Johanna von Orleans» einigermassen angemessen erscheint, wirkt bei einer realen, lebenden Politikerin reichlich deplatziert.
Blosse Kulisse
Ähnlich wie in Phyllida Lloyds Thatcher-Porträt «The Iron Lady» verkümmert das politische Geschehen bei Besson zur blossen Kulisse für die grossen Auftritte einer «starken Frau». Die Schilderung der historischen Abläufe beschränkt sich auf eine lose Klischeekette. Mal sieht man die Heldin hungerstreikend im Bett liegen. Mal schreitet sie erhobenen Hauptes zwischen Soldaten und Gewehren hindurch. Die Schergen des Militärregimes tragen ein rotes Halstuch und gucken grimmig. Und wenn die Opposition Erfolge erzielt, wie etwa den Wahlsieg 1990, sammelt die Kamera Gesichter aus dem Querschnitt der Bevölkerung, die so selig lächeln wie einst die Statisten am Ende von Roland Emmerichs «Independence Day».
Überall wimmelt es von pathetischen Zeitlupen und Grossaufnahmen, und permanent will einem die streicherübersättigte Musik vorschreiben, wie man sich zu fühlen hat. Für Zwischentöne bleibt da kein Platz. Das ist umso ärgerlicher, als das private Drama, von dem der Film hauptsächlich handelt, reichlich Spielraum dafür böte. Aung San Suu Kyi lebte mit ihrem Mann, dem britischen Dozenten Michael Aris, und ihren beiden Söhnen in England, als sie 1988 nach Burma reiste, um ihre kranke Mutter zu besuchen. Ihr Aufenthalt fiel in die Zeit der Unruhen. Sie engagierte sich für die Demokratiebewegung, erhielt jahrelangen Hausarrest. Ihrem Mann und ihren Kindern wurde immer wieder die Einreise verweigert. Sie selbst hätte zwar ausreisen, danach aber nicht wieder nach Burma zurückkehren können. Also entschied sie sich zu bleiben – selbst als ihr Mann an Krebs erkrankte und starb. Dafür, dass die «Lady» dem Freiheitskampf das Familienglück «opferte», verklärt Besson sie zur Heroin. In keiner Sekunde stellt er ihre Entscheidung infrage. Einer ihrer Söhne sagt einmal kurz, dass er seine Mutter vermisse, das wars. Der Film lässt nie moralische Zweifel aufkommen und macht es sich damit zu einfach.
Triviales Drehbuch
Hauptdarstellerin Michelle Yeoh lernte Aung San Suu Kyi persönlich kennen, nachdem deren Hausarrest 2010 aufgehoben worden war. In Interviews erklärt sie, wie hilfreich das für die Rolle gewesen sei. Im Film sieht man davon nichts. Yeoh hat zwar grossartige Momente, wie auch David Thewlis als Michael. Letztlich spielen sie aber vergeblich gegen das triviale Drehbuch an. In einer Szene sagt Aung San Suu Kyi, wie sehr ihr Personenkult zuwider sei. Bessons Film müsste sie dann eigentlich hassen.
The Lady
| Regie: | Luc Besson |
| Produktion: | France, UK 2011; 132 min. |
| Genre: | Drama |
| Erstaufführung: | 12.04.2012 |
| Darsteller: | Michelle Yeoh, David Thewlis, Jonathan Raggett, Jonathan Woodhouse, Susan Wooldridge |


