Kino Aktuell The Grey

Der Steppenwolf

Von Andreas Scheiner. Aktualisiert am 11.04.2012

Liam Neeson ist grossartig als grantiger Actionheld. Leider ist er auch im Gespräch eher wortkarg.

Journalisten empfindet Liam Neeson als ähnlich aufsässig wie Wölfe.

Journalisten empfindet Liam Neeson als ähnlich aufsässig wie Wölfe.

The Grey

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The Grey

Ein Jäger (Liam Neeson) war in Alaska, um Ölbohrer vor wilden Tieren zu beschützen. Er ist auf dem Heimflug, als die Maschine abstürzt. Gestrandet in der Tundra, machen sich die wenigen Überlebenden auf den Weg in Richtung Süden. Hunger und Kälte sind nur das eine: Die Gruppe befindet sich im Jagdgebiet eines gefrässigen Wolfsrudels. Ein Glück, ist der Jäger dabei.

Joe Carnahans («Narc») Abenteuerfilm funktioniert nach dem «Zehn kleine Negerlein»-Prinzip: Einer nach dem andern fällt den Wölfen zum Opfer. Allerdings ist «The Grey» keine besonders blutige Schlachtplatte, die Wölfe sind die meiste Zeit nur Drohkulisse. Stattdessen liegt in diesem Mensch-gegen-Natur-Film der Akzent auf dem Menschlichen, und das macht ihn sehr sehenswert. (ase)

Als Interviewer kennt man seine Pappenheimer: Harrison Ford führt die Liste der unergiebigen Gesprächspartner an. Der Mann schafft es, dass sich jeder Fragesteller nach zehn Minuten zu langweilen beginnt. Bei Denzel Washington droht eine Bibelstunde, Rowan Atkinson hasst Fragen zu «Mr. Bean», und Til Schweiger spricht nur mit Journalisten, die ihm wohlgesinnt sind (der «Züritipp»-Kritiker steht auf Schweigers schwarzer Liste).

Liam Neeson ist auch kein einfacher Interviewpartner. Das hatten wir schon erlebt, als er vor zwei Jahren den Actionfilm «A-Team» vermarktete. Da musste der Regisseur mit Neeson am Tisch sitzen – und am Ende redete nur der Regisseur. Natürlich kommt Neesons Schweigsamkeit nicht von ungefähr: Anderthalb Jahre vor «A-Team» war seine Frau bei einem Skiunfall gestorben. Aber der 59-jährige Ire, der als Jugendlicher erfolgreich geboxt hatte, ist nicht nur ein stilles Wasser, er kann auch austeilen.

So wie nun am runden Tisch zu seinen neuen Filmen «The Grey» und «Battleship» (siehe Texte rechts): Was die Dreharbeiten von «The Grey» in Alaska für eine Erfahrung gewesen seien, wollte ein deutscher Kollege zum Einstieg wissen. «Seien Sie spezifischer», forderte Neeson: «Können Sie das? Nein? Das ist fauler Journalismus.»

Der Schauspieler, der fast nur noch Actionfilme dreht, war so einsilbig, als würde er Clint Eastwood nacheifern. Seine Ausführungen zu Alaska beschränkten sich darauf, dass es verflucht kalt gewesen sei: «Fuckin’ cold!», brummte der Mann mit der Bassstimme.

«Herr Neeson, können Sie die wichtigsten Wegmarken in Ihrer Karriere nennen?» – «Irland verlassen, um nach London zu gehen; London verlassen, um nach Los Angeles ziehen; Los Angeles verlassen, um in New York zu leben.» Auf das Nachhaken, ob es Filme gebe, die er als besonders bedeutend für seine Karriere empfunden habe, nimmt er die Tischplatte ins Visier: «Sie wissen selber, welche Filme das waren.»

Wir reden somit nicht über «Schindler’s List», «Michael Collins», die neuen «Star Wars»-Filme oder «Kinsey». Und über das laute Alienspektakel «Battleship», in dem Neeson eine Nebenrolle spielt, gibt es nichts zu sagen. Am Ende erweisen sich Wölfe als gutes Gesprächsthema. Die Tiere, die ihn in «The Grey» jagen, faszinieren ihn. Neeson erzählt Geschichten, welche das mysteriöse Wesen der Raubtiere schildern.

Auf die Frage, was ihn für die Schauspielerei motiviere, bekundet er seine Liebe zu Filmcrews, zu diesen Leute, die als Nomaden leben, für einen Film schon mal in die Arktis reisen und ihn wie eine Familie aufnehmen. Vielleicht ist der vom Schicksal geplagte Liam Neeson tatsächlich so etwas wie ein einsamer Steppenwolf. Als maulfauler Eigenbrötler in «The Grey» ist er in seinem Element. Und auf der Leinwand lieben wir ihn als solchen.

The Grey

Regie:Joe Carnahan
Produktion:USA 2011; 117 min.
Genre:Action, Adventure, Drama, Thriller
Erstaufführung:12.04.2012
Darsteller:Liam Neeson, Frank Grillo, Dermot Mulroney, Dallas Roberts, Joe Anderson
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3 KOMMENTARE

Basil Haag

12.04.2012, 10:34
star4

Bibelstunden mit Denzel Washington? http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/menschen/denzel-washington-im-gespraech-jemand-muss-die-drecksarbeit-machen-11662246.html Dieses Interview mit der Frankfurter Allgemeine macht für mich gar nicht den Eindruck einer Biblestunde. Im Gegenteil finde ich es sehr spannend. Und ja, es wird auch über Religion bzw. Glaube gesprochen. Aber was ist falsch daran? Dieses Thema ist nun einmal etwas, das jeden Menschen betrifft. Ausserdem will ich in einem Interview ja nicht nur lesen, wie anstrengend jetzt die Dreharbeiten für den neuen Film waren, sondern vielleicht auch etwas über den Schauspieler als Menschen.


Christoph Luther

12.04.2012, 09:25
star1

The Grey wurde nicht in Alaska sondern in Britisch Columbia in Kanada gefilmt, genauer in der Gegend von Smithers. (Ich weiss dies weil ich hier lebe!) Liam Neeson ist gar kein "maulfauler Eigenbroetler" (sieh Interview mit Jon Stewart/the Daily Show) sondern reagiert nur auf langweilige Interviewer....


Christoph Luther

12.04.2012, 09:24
star1

The Grey wurde nicht in Alaska sondern in Britisch Columbia in Kanada gefilmt, genauer in der Gegend von Smithers. (Ich weiss dies weil ich hier lebe!) Liam Neeson ist gar kein "maulfauler Eigenbroetler" (sieh Interview mit Jon Stewart/the Daily Show) sondern reagiert nur auf langweilige Interviewer....



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