Home Aktuell Intouchables

Zwei Männer im Rausch des Lebens

Von Georges Wyrsch. Aktualisiert am 18.01.2012

Über 17 Millionen Zuschauer wollten den Film in Frankreich sehen, in der Westschweiz strömten bislang 450'000 Besucher in die Kinos. Bleibt eine Frage: Woher rührt dieser überwältigende Erfolg?

1/10 print_still8.jpg

   

Intouchables

User-Rating


Wo & Wann

HeuteKalender
Rex, Adelboden 20:30
Kino um die Ecke, Belp 15:15
CineMovie, Bern 14:00, 18:30
Jura, Bern 14:45, 17:30, 20:15
Pathé Westside, Bern 16:30, 21:10
Cinevital Palace, Biel/Bienne 18:00
Movie World, Spiez 18:00
Worb, Worb 18:00

Trailer

Der TV-Player ben&oouml;tigt einen aktuellen Adobe Flash Player: Flash herunterladen

Müsste man dem französischen Filmschaffen des Jahres 2011 ein dominantes Thema zuschreiben, so wäre es zweifellos die Verbrüderung von Arm und Reich. Lang ist die Liste der Filme, in denen sich Menschen mit und ohne Geld auf einen gemeinsamen Nenner bringen liessen.

Interessant daran ist weniger die Tatsache, dass sich ungleiche Menschen die Hand reichen — denn das tun sie auf der Leinwand oft. Bemerkenswert ist vielmehr die Schärfe, mit der das französische Populärkino zurzeit ein soziales Gefälle behauptet: Die Mittelschicht wird regelrecht ausgeblendet.

Es gibt also nur noch die Haushälterin und den erfolgsverwöhnten Trader (wie zuletzt in «Ma part du gâteau» von Cédric Klapisch). Den vulgären Handwerker und die kunstverständige Dame aus gutem Haus (in «Mon pire cauchemar» von Anne Fontaine, ab 9.2. in Deutschschweizer Kinos). Oder , wie jetzt in «Intouchables» von Eric Toledano und Olivier Nakache, den aristokratischen Multimillionär und das Schlitzohr aus der Banlieue.

Aus einer Zufallsbegegnung wird eine Freundschaft

«Intouchables» ist die radikalste unter diesen Darstellungen einer sozialen Verschmelzung. Allein schon der Titel spielt darauf an, dass sich in diesem Film zwei Menschen berühren, die normalerweise nicht in Berührung kommen würden. Die Handlung – sie beruht lose auf einer wahren Begebenheit – ist simpel: Der begüterte Philippe, seit einem Gleitschirmunfall Tetraplegiker, hat sein behutsames Pflegepersonal satt und engagiert statt einer ausgebildeten Fachkraft den schwarzen Ex-Häftling Driss. Dieser wiederum hat sich eigentlich nur für diesen Job beworben, weil er unbedingt eine Unterschrift für das Arbeitslosenamt braucht.

Was auf diese Begegnung folgt, ist die Geschichte einer ungewöhnlichen Freundschaft oder, wie es die Filmzeitschrift «Cahiers du cinéma» weit zynischer formulierte, die Geschichte einer Domestizierung: Während Philippe in den Genuss von Bordellbesuchen, Joints und rasanten Autofahrten kommt, erhält Driss Zugang zur gehobenen Gesellschaft und den entsprechenden Umgangsformen.

Erfolg dank Story,

Besetzung und Erzählweise

Im Klartext ist das, was in «Intouchables» erzählt wird, Folgendes: Ein Superreicher hält sich aus Abenteuerlust einen rüpelhaften Hofnarren und bringt ihm nach und nach Manieren bei. Die Kunst von «Intouchables» besteht nun aber darin, dass diese despektierliche Perspektive ausgeblendet wird. Was wir sehen, ist bloss ein Reicher, der aus seinem goldenen Käfig ausbricht, einen schlagfertigen Armen, der zu Geld kommt, und eine erstarrte Welt, die auf angenehme Weise aufgerüttelt wird.

Dass «Intouchables» sensationelle Einspielergebnisse erzielt, hängt sicher damit zusammen, dass die hier gezeigte klassenübergreifende Freundschaft eine Wohltat fürs Gemüt darstellt und eine anregende Botschaft vermittelt. Jene nämlich, dass es sich lohnt, über seinen eigenen Schatten zu springen. Die Ausbruchsfantasien eines älteren Publikums werden hier genauso bedient wie der Wunsch nach sozialem Aufstieg der Jüngeren.

Auch das Cast dürfte seinen Teil dazu beitragen, dass Alt und Jung diesen Film sehen will. François Cluzet (Philippe) ist seit den Achtzigerjahren auf der Leinwand präsent und erinnert äusserlich an Dustin Hoffman. Fernsehkomiker Omar Sy (Driss) dagegen kann auf eine vorwiegend jugendliche Fanbasis zählen und profitiert in beachtlichem Masse vom Erfolg von «Intouchables». Ein weiterer wesentlicher Erfolgsfaktor ist die Qualität des Films: «Intouchables» ist rührend und witzig. Kurz: ein Film, den man gerne weiterempfiehlt.

Intouchables

Regie:Olivier Nakache, Eric Toledano
Produktion:France 2011; 112 min.
Genre:Comedy, Drama
Erstaufführung:19.01.2012
Darsteller:François Cluzet, Omar Sy, Anne Le Ny, Audrey Fleurot, Clotilde Mollet

Kommentar schreiben / Rating abgeben 







Verbleibende Anzahl Zeichen:

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt.


Bestätigen

9 KOMMENTARE

Frank Fiebiger

star5

Eine sehr schöne erzählte Gesichte und Herz und guten Humor und viel Eigensinn...


Georges Zelger

star5

Viele Filme gibt es nicht, die so positiv sind. Man darf sich auch einmal problemlos freuen!


sven ahlborn

star5

macht wirklich gute laune, dieser film!


Philipp Müller

star5

Wirklich sehenswert. Hab mich gut amüsiert... (5 Sterne, geht irgendwie nicht zum anklicken)


Girafo Gondolfsky

star1

Und wie fand Frau Marx den Film eigentlich? Oder sah sie ihn gar nicht? Nun finde ich insbesondere Punkt 4 durchaus interessant und bedenkenswert - aber integral ist der Text für eine Kritik mehr als dürftig.


samir rabanito

star3

Wer den Trailer als Kinobesucher (vielleicht mehrmals, wenn man oft geht) gesehen hat, hat bereits das Meiste gesehen. Ein richtiger Spoiler, der Trailer. Es kommt einem vor, als ob man den Film zum zweiten Mal sieht. Man kann schon schmunzeln, sogar ab und zu ein bisschen lachen. Vielleicht ohne Araber lässt sich der Film besser in den USA zeigen? Ein Araber als "Held" würde nicht ganz passen. Wer weiss...


lisa hufschmid

star1

Eine ausgezeichneter Film. Man sollte ihn unbedingt in Französisch ansehen. In der wahren Begebenheit war der Pfleger übrigens Araber.


Remo Roth

star5

Phantastisch!!!


Andrea Stalder

star5

... selten so gelacht und geweint! ;.)) wunderbar!



Kalender

The contents of this div will be replaced by the inline datePicker.

Weblog «KulturStattBern»




© Tamedia AG 2010 Alle Rechte vorbehalten