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Warum beim Whisky die Engel mittrinken

Von Hans Jürg Zinsli. Aktualisiert am 23.11.2012

Charlie MacLean weiss alles über Destillerien und Reifungsprozesse. Jetzt spielt der schottische Whiskyexperte im Film «The Angel’s Share» (der Titel bezeichnet Hochprozentiges, das aus Fässern verdunstet) eine kleine Rolle. Und hofft auf einen neuerlichen Whiskyboom.

Charlie MacLean: Im Film «The Angel’s Share» spielt er sich selbst – einen Whiskyexperten, der Tastings veranstaltet.

Charlie MacLean: Im Film «The Angel’s Share» spielt er sich selbst – einen Whiskyexperten, der Tastings veranstaltet. Bild: Filmcoopi/zvg

The Angels' Share

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Whisky-wissen

Angel’s Share (Engelsanteil) bezeichnet jenen Anteil des Whiskys, der während der Reifung aus dem Fass verdunstet (circa 2 Prozent pro Jahr).

Blended Whiskys, zum Beispiel Johnny Walker oder Chivas Regal, beinhalten verschiedene Getreide (meist Gerste und Weizen). Sie stammen aus verschiedenen Destillerien, müssen als Marke aber identisch schmecken.

Marktanteil: Blended Whiskys beherrschen 90 Prozent des Whiskymarkts. Single Malts sind pro Flasche teurer, kommen jedoch nur auf 10 Prozent. 2007 wurde in Grossbritannien ein Gesamtumsatz von 4,2 Milliarden Franken erzielt.

Produktionsvolumen: Glenfiddich war 1963 die erste Destillerie, die Single Malts (wieder) salonfähig machte. Mit 10 Millionen Litern ist sie die grösste schottische Brennerei. Bald dürfte Glenfiddich jedoch von Roseisle (2009 eröffnet) übertroffen werden. Bei voller Auslastung können dort 12,5 Millionen Liter produziert werden.

Raritäten sind ein kostspieliges Vergnügen. Begehrt unter Connaisseurs sind vor allem Single Malts aus geschlossenen Destillerien wie Brora oder Port Ellen. Für jährliche Abfüllungen eines Port Ellen zahlte man 2010 noch 450 Franken. Dieses Jahr schnellte der Preis auf über 900 Franken.

Single Malt Whiskys werden ausschliesslich aus Gerste gemacht. Herkunft ist eine einzige Destillerie. Die Geschmackspalette reicht – je nach Jahrgang, Reifung und Fassbeschaffenheit – von milden Honignoten (z.B. Dalwhinnie) bis zu rauchig-iodigen Torfmonstern (Laphroaig).

Tastings bieten dem Connaisseur die Gelegenheit, seltene Whiskys zu verkosten. Die nächsten Termine: 23. und 24.November bei Monnier Trading in Studen bei Biel (www.whiskytime.ch). 29.November bis 2.Dezember: Whiskyschiff Zürich (www.whiskyschiff.ch).zas

Mr. MacLean, Sie sind einer von weltweit nur hundert «Masters of the Quaich». Was bedeutet dieser Titel?
Charlie MacLean: Das heisst, dass man sich in besonderer Weise um Schottland und die Whiskyindustrie verdient gemacht hat. Ich wurde 1992 vom gleichnamigen Verband zum «Keeper of the Quaich» ernannt. 18 Jahre später erhielt ich den Mastertitel.

Wie sind Sie ursprünglich auf den Whiskygeschmack gekommen?
Durch Zufall. Ich hatte Jura studiert, konnte aber nichts damit anfangen. Ich hasste es und beschloss, Schriftsteller zu werden. Zunächst arbeitete ich als Werbetexter und Ghostwriter, später verfasste ich historische Bücher über Schottland. Da kommt man am Whisky kaum vorbei (lacht). Inzwischen habe ich 13 Bücher über Whisky geschrieben und werde für Tastings in der ganzen Welt angefragt. Letztes Jahr war ich in 23 verschiedenen Ländern.

Wie kam es, dass Whisky ausgerechnet in Schottland so populär wurde?
Im 18.Jahrhundert bestand die schottische Wirtschaft hauptsächlich aus Viehzucht. Im Unterschied zu südlicheren Ländern gibt es jedoch kein Heu. Das Einzige, was wächst, ist Gerste. Daraus braute man Bier und destillierte es zu Whisky, um es haltbarer zu machen. Den Trester verfütterte man den Tieren.

In den letzten Jahren wurden Single Malts immer beliebter. Die Preise explodieren. Könnte man nicht einfach mehr Whisky produzieren?
Theoretisch gibt es zwei Möglichkeiten: Man weitet die Produktion aus, oder man beschleunigt den Reifungsprozess. Letzteres ist nicht ratsam, weil man geschmacklich einen völlig anderen Whisky erhalten wird. Ersteres ist schwierig, weil man bei der Whiskyherstellung Unmengen von Wasser benötigt – nicht nur im Produktionsprozess, sondern auch zur Kühlung. Es gibt einige Destillerien, die schon jetzt mit Wassermangel kämpfen und zwischenzeitlich schliessen müssen.

In Ken Loachs Film «The Angel’s Share» treten Sie als Whiskyexperte auf, der ein Tasting durchführt. Wie kamen Sie dazu?
Ursprünglich wurde ich als Berater engagiert. Ich erklärte den Darstellern, was sie über Whisky wissen müssen, stellte Kontakte zur Industrie her und half bei der Locationsuche. Zudem schlug ich vor, als «Heiligen Gral» einen Malt Mill anstelle eines Port Ellen zu nehmen. Malt Mill war eine winzige Destillerie innerhalb der Lagavulin-Destillerie und bis 1962 in Betrieb. Heute sind nur noch drei Flaschen davon in Umlauf, wobei ich vermute, dass alles Fälschungen sind. Die Rolle des Rory McAllister im Film übernahm ich schliesslich, weil ich da im Prinzip mich selber spiele.

Hatten Sie kein Lampenfieber?
Oh, doch! Ich hatte ja keine Ahnung, welchen Aufwand man betreiben muss, um ein Filmset einzurichten. Es war ein sehr heisser Tag, als wir das Tasting filmten, und ich fürchtete, wir würden tagelang da festsitzen, wenn ich es nicht hinkriegte. Aber Regisseur Ken Loach blieb die Ruhe selbst. Ich fragte: «Was soll ich tun?» Und er meinte: «Na, du weisst doch, wie ein Whiskytasting läuft. Mach es genau so.»

Kennen Sie den Film «Sideways», in dem sich zwei Männer quer durch die kalifornischen Weingebiete degustieren?
Oh, yes! Der Film führte damals zu einem enormen Weinboom in Kalifornien, vor allem für Merlot.

Könnte sich dies mit «The Angel’s Share» in Bezug auf Single Malts wiederholen?
Das halte ich für möglich. Was ich an Ken Loachs Film besonders schätze, ist, dass es nicht ums Trinken geht, sondern um Genuss und Wertschätzung des Whiskys. Hoffentlich spricht sich das auch in Schottland rum. Das Traurige ist ja, dass in meiner Heimat bis heute mehr Wodka als Whisky getrunken wird – eine wahre Schande!

The Angels' Share

Regie:Ken Loach
Produktion:France, UK 2012; 101 min.
Genre:Comedy, Drama
Erstaufführung:29.11.2012
Darsteller:Roger Allam, John Henshaw, Daniel Portman, William Ruane, Paul Donnelly
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