Sammlerfamilie zeigt Klee-Perlen
Von Helen Lagger. Aktualisiert am 26.01.2012
Location
| Name: | Zentrum Paul Klee |
| Adresse: | Monument im Fruchtland 3 3006 Bern |
| Telefon: | 031 359 01 01 |
Infos
Datum und Uhrzeit
Donnerstag, 17.05.2012 10.00 - 17.00
Freitag, 18.05.2012 10.00 - 17.00
Samstag, 19.05.2012 10.00 - 17.00
Sonntag, 20.05.2012 10.00 - 17.00
Website
Beschreibung
Werke der ehemaligen Sammlung Hanni und Rolf Bürgi und ausgewählte Archivalien der Schenkung.
«Ich war zwar noch nicht einmal drei Jahre alt, aber ich kann mich an eine grosse Aufregung erinnern, die zu Hause geherrscht hat, als meine Familie 1940 die Nachricht von Paul Klees Tod erreichte», erinnert sich Christoph Bürgi. Sein Vater, ein leidenschaftlicher Sammler, Freund und Finanzverwalter des Künstlers, kümmerte sich nämlich höchstpersönlich um die Beerdigung des Meisters. Nun schaut sich Bürgi im Zentrum Paul Klee (ZPK) die von Kuratorin Eva Wiederkehr Sladeczek eingerichteten Vitrinen an, in denen sogenannte Archivalien – Briefe, Fotos und Malereiutensilien – aus der Schenkung seiner Familie zu bestaunen sind. Seiner Grossmutter Hanni Bürgi (1880–1938) und seinem Vater Rolf Bürgi (1906–1967) erweist das ZPK in der kleinen Kabinettausstellung anhand zweier grosser Porträts die gebührende Ehre. Die «Schenkung Archiv Bürgi» wird ergänzt durch rund dreissig Gemälde und Zeichnungen, welche die Familie dem ZPK als Leihgaben zur Verfügung stellt.
Freundschaft durch Musik
Der erste Kontakt der Berner Familie Bürgi zur Familie Klee erfolgte über die Musik: Die Wirtshaustochter Hanni Bürgi nahm Gesangsstunden bei Hans Klee, dem Vater und Musiklehrer des Künstlers. Die Sopranistin freundete sich mit der Familie Klee an und begann als erste Schweizerin Paul Klees Kunst zu sammeln – zu einer Zeit, als dieser noch ein Unbekannter war. Ihr Mann Alfred Bürgi, ein gut situierter Bauunternehmer, starb kurz nach dem Ersten Weltkrieg an der spanischen Grippe. Die kunstsinnige Witwe und Mutter dreier Söhne zog aus der Villa am Wildheimweg aus und wechselte fortan ständig ihren Wohnsitz. Depressive Schübe, die sie im späteren Lebensalter heimsuchten, mögen für diese Rastlosigkeit mitverantwortlich gewesen sein. Paul Klee wusste von Hanni Bürgis Krankheit. Das Werk «Trüb umschlossen», welches das Gefühl des Eingeschlossenseins einer kranken Seele visualisiert, schenkte er ihr 1934. Da der Kontakt zum Künstler nie abriss, gehören Werke aus allen Schaffensphasen zur Bürgi-Sammlung.
Einmaliger Einblick
Hannis Sohn Rolf Bürgi setzte die Sammlertätigkeit fort. Mit gerade einmal neunzehn Jahren kaufte er bei einem Besuch in Weimar eine Dünenlandschaft für sechzig Franken, die er Klee in Raten von fünf Franken abbezahlte. Als für Klee während der Zeit des Nationalsozialismus der Moment gekommen war, Deutschland zu verlassen, war es Rolf Bürgi, der sich um die Einbürgerung seines Freundes in der Schweiz bemühte und von den Nazis beschlagnahmte Akten zurückforderte. Auch hiervon zeugen zahlreiche Briefe und Dokumente, in die man in dieser sorgfältig arrangierten Schau erstmals Einblick erhält.

