Vom Comic auf die Tanzbühne– eine bretonische Geschichte

Von Oliver Meier. Aktualisiert am 23.02.2012

Skurrile Spurensuche: Im spartenübergreifenden Stück «Tour d’horizon» befasst sich Félix Duméril an der Seite von Co-Choreografin Misato Inoue mit seinen französischen Wurzeln.

Tanz der Fischer: Szene aus dem neuen Stück «Tour d’horizon».

Tanz der Fischer: Szene aus dem neuen Stück «Tour d’horizon».
Bild: Susanne Keller


Location

Name:
Adresse:

Infos

Datum und Uhrzeit

Am Anfang stand ein gezeichneter Roman. In «Tout seul» (2008) schildert der renommierte französische Comickünstler Christophe Chabouté die Geschichte eines entstellten Mannes, der alleine in einem Leuchtturm lebt. Seit Geburt befindet er sich in der Isolation, sein einziger Bezug zur Aussenwelt sind ein paar Kisten voller Lebensmittel, die im Wochenrhythmus bei ihm abgestellt werden. «Die Situation der Hauptfigur, ihre Abgeschiedenheit hat mich unmittelbar in Bann gezogen», sagt der Choreograf und Tänzer Félix Duméril. «Sie wirft interessante Fragen zu Gefühlen wie Einsamkeit, Langeweile und Verlassenheit auf.»

Realität und Fantasie

Chaboutés Graphic Novel wurde zum Ausgangspunkt von «Tour d’horizon», dem neuen Stück des Choreografenkollektivs T42 Dance Projects von Félix Duméril und der Japanerin Misato Inou. Für Duméril, ehemaliger Ballettdirektor des Berner Stadttheaters, ist es auch eine Beschäftigung mit den eigenen Wurzeln, mit französischer Kultur und Mentalität.

Zusammen mit Inoue und den Tänzern hat er eine Reihe von Figuren entwickelt und zu einer assoziativen Geschichte verwoben, in der sich Realität, Traum und Fantasie fast ununterscheidbar mischen. Da ist dieser sonderbare Eremit im Leuchtturm, der bei den Einheimischen als geistig minderbemittelt gilt; da ist eine Frau, das lebendig gewordene Bildnis einer Geisha; da sind zwei Fischer, die mit ihrem Netz Träume einholen. Und da ist ein Goldfisch im Glas, der zum Dialogpartner des einsamen Mannes wird. «Wir wollen anhand der Geschichte – nicht ohne Humor, aber doch scharfkantig – skurrile, surreale Stimmungen evozieren», so Duméril. Dabei werden die Spartengrenzen aufgelöst – durch die Zusammenarbeit mit dem bretonischen Musiker Yves Ribis, aber auch durch den Einsatz visueller Medien, die das Tanzstück ästhetisch in die Nähe der pointierten Kunstform Comic rücken sollen.

0

Kommentar schreiben 






Verbleibende Anzahl Zeichen:

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt.


Bestätigen

Kalender

The contents of this div will be replaced by the inline datePicker.

Weblog «KulturStattBern»




© Tamedia AG 2010 Alle Rechte vorbehalten