Vagabundieren in der Geisterstadt
Aktualisiert am 09.02.2012
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Infos
Datum und Uhrzeit
Agenda
Schlachthaus-Theater Mi, 15., bis Sa, 18. 2., 20.30 Uhr, und So, 19. 2., 18 Uhr.
Die Strassenlaternen werfen lange Schatten, Schritte hallen auf dem Asphalt, irgendwo in der Ferne schreit eine Katze. Städte bei Nacht bieten allein schon eine schauerliche Kulisse. Wenn die Bewohner ihrer Stadt dann noch den Rücken gekehrt haben und die Wohnblöcke, Hoch- und Mehrfamilienhäuser ihres Sinnes und Zwecks beraubt wurden, wird es erst recht geisterhaft: Was, fragt man sich unweigerlich, hat den Exodus verursacht? Verkümmerte der wichtigste Wirtschaftszweig? Leckte das benachbarte Atomkraftwerk? Hat sich jemand grässlich verspekuliert? Lockte das grosse Glück anderswo?
Der Zuschauer als Voyeur
Dieses Gedankenkarussell will Marius Kob, verbriefter Figurentheaterspieler und Masterabsolvent an der Hochschule der Künste in Bern, mit seiner begehbaren Theaterinstallation «Ghost City» beim Zuschauer in Gang setzen. Der Besucher wird zum Voyeur, irrlichtert durch eine 15 mal 15 Meter grosse Modellstadt. Durch die kleinen Fenster scheint vereinzelt Licht, hier und da sind Möbel zurückgelassen worden oder auch ein glückloses Stofftier. Welche Geschichten sich hinter den vernachlässigten Fassaden abspielen, macht der Zuschauer in Eigenregie mit sich selbst aus.
Die Geister dieser Stadt sind nicht sicht-, aber hörbar, in der Tonkulisse wispern leise Dialoge. Wie lange sich der Zuschauer einem Ausschnitt widmen will, entscheidet er selbst. Lediglich manchmal lenken Kob und sein Team aus verdienten Figurentheaterspielern die Aufmerksamkeit der Stadtarchäologen gezielt auf eine bestimmte Szenerie. Für die Architektur und die Stimmung der Geisterstadt liess sich Kob von den verlassenen Plattenbauten seiner Heimatstadt Magdeburg im Osten Deutschlands inspirieren. Am Mittwoch sucht seine «Ghost City» erstmals Bern heim.
Schlachthaus-Theater Mi, 15., bis Sa, 18. 2., 20.30 Uhr, und So, 19. 2., 18 Uhr.
Hier ist keiner: Besucher wandeln durch die Installation «Ghost City». Foto: zvg

